Förderung sozialer Integration durch Lehrkraftfeedback in der Klasse (FLINK)
Im Unterricht kommt es ständig vor, dass Schüler*innen Feedback von ihren Lehrkräften erhalten. Sei es, dass sich ein Kind nicht an die Klassenregeln hält oder eine gute Note in einem Test geschrieben hat – die Gründe für individuelle Rückmeldungen sind sehr unterschiedlich.
Aus internationalen und eigenen Forschungsergebnissen wissen wir, dass das Feedbackverhalten von Lehrkräften auch einen Einfluss auf die soziale Akzeptanz nehmen kann. So erhöht sich z. B. die Wahrscheinlichkeit für soziale Ablehnung durch die Mitschüler*innen, wenn ein Kind häufig negative Rückmeldungen im Unterricht erhält.
Der theoretische Hintergrund ist die sogenannte Social-Referencing-Theory. Überträgt man diese auf das Klassenzimmer, stellen Lehrkräfte für Grundschulkinder eine wichtige soziale Referenz für deren Wahrnehmung sozialer Hinweisreize dar. Die Lehrkraft als soziale Referenz bildet somit eine wichtige Grundlage für die soziale Wahrnehmung anderer Kinder in der Klasse, die von ihr öffentliche Rückmeldungen erhalten.
Aus diesem Grund überprüfen wir derzeit, ob Lehrkräfte durch eine Veränderung ihres eigenen Feedbackverhaltens die soziale Integration ihrer Schüler*innen verbessern können.
Pilotstudie
In einer Pilotstudie konnten wir bereits zeigen, dass dies tatsächlich möglich sein könnte. Vierte Klassen wurden zufällig in eine Interventions- und eine Kontrollgruppe aufgeteilt. In jeder Klasse wurden fünf Zielschüler*innen identifiziert, die bislang wenig positives Lehrkraftfeedback in der Wahrnehmung ihrer Mitschüler*innen erhielten. Innerhalb der Interventionsklassen erhielten diese vier Wochen lang verstärkt öffentlich positives Lehrkraftfeedback im Unterricht.
Die Ergebnisse der Studie bestätigen, dass die Intervention das von Schüler*innen wahrgenommene positive Lehrkraftfeedback und die soziale Akzeptanz der Zielschüler*innen im Vergleich zu den Kindern der Kontrollgruppe und den eigenen Mitschüler*innen signifikant erhöht. Im Vergleich der Mittelwerte und Standardabweichungen der Zielschüler*innen aus Interventions- und Kontrollgruppe lässt sich mit Blick auf die Erhöhung des positiven Lehrkraftfeedbacks ein starker Effekt (d = 1.00) und mit Blick auf die Erhöhung der sozialen Akzeptanz ein mittlerer Effekt (d = 0.58) nachweisen.
Die detaillierten Ergebnisse können hier nachgelesen werden:
Spilles, M., Huber, C., & Nicolay, P. (2024). Feedback-Memory: An approach to promoting the social acceptance of students rarely receiving positive teacher feedback. Unterrichtswissenschaft, 52, 117–134. https://doi.org/10.1007/s42010-024-00194-5
DFG-Förderung
Aufgrund der positiven Evaluationsergebnisse erscheint es sinnvoll, die Wirkungen von Lehrkraftfeedback auch weiterhin zu untersuchen. Im Jahr 2025 wurde uns daher von der DFG eine Förderung zur weitergehenden Überprüfung der Effekte bewilligt (Christian Huber: HU 2105/5-1 | Markus Spilles: SP 2192/2-1). Im Projekt werden einige der methodischen Limitationen der Pilotstudie aufgegriffen. So wird z. B. der Untersuchungszeitraum ausgeweitet. Während in der Vorstudie lediglich ein vierwöchiger Zeitraum im Prä-Post-Design betrachtet wurde, ist in der geplanten Studie zusätzlich eine Follow-up-Erhebung vorgesehen, um Aussagen zur Nachhaltigkeit der Effekte treffen zu können.
Aktueller Status des Projekts
Die Pilotstudie ist abgeschlossen. Das DFG-Projekt startet voraussichtlich im Jahr 2026.